Der Feldberg ragt auf 1.493 Meter, dichte Wälder, wilde Schluchten und weite Aussichten gibt’s dazu: Der Schwarzwald lockt seit Generationen Wandernde an. Wer chronische Schmerzen hat, streicht solche Unternehmungen aber oft zu schnell aus dem Kalender. Doch realistische Etappen, geeignete Ausrüstung und ärztliche Begleitung können auch das Wandern auf Teilstrecken bekannter Fernwanderwege ermöglichen.
Bewegung als Baustein der Schmerztherapie
Von chronischen Schmerzen spricht man, wenn sie länger als drei Monate andauern. Ruhe allein bringt dann meist keine Besserung. Schmerzmedizinische Leitlinien beschreiben angepasste Bewegung als festen Bestandteil multimodaler Therapie neben Medikamenten, Physiotherapie und psychologischen Verfahren. Wandern bietet dafür ideale Voraussetzungen: gleichmäßige Belastung, frische Luft und selbstbestimmtes Tempo. Gelenke und Rücken werden meist schonender strapaziert als beim Sport mit Sprüngen oder abrupten Richtungswechseln.
Reichen die klassischen Therapieansätze nicht mehr aus, kommen für den Arzt weitere Optionen in den Blick. Ab dem 1. April 2024 unterliegt medizinisches Cannabis nicht mehr dem Betäubungsmittelgesetz, sondern dem neuen Medizinal-Cannabisgesetz. Ein Cannabis Rezept kann online nach derzeit geltender Rechtslage über telemedizinische Angebote bezogen werden, wenn eine Ärztin oder ein Arzt die Indikation stellt. Ein Gesetzentwurf sieht jedoch für Erstverschreibungen einen persönlichen Arztkontakt vor, weshalb ein Blick auf die aktuelle Lage lohnt. Ob eine solche Therapie sinnvoll ist, entscheidet der Einzelfall nach ärztlicher Prüfung.
Welche Strecken sich für Einsteiger und Teilabschnitte eignen
Der Westweg führt über rund 285 Kilometer von Pforzheim nach Basel und ist der älteste Fernwanderweg des Schwarzwalds. Wer ihn nicht am Stück geht, kann auch Einzelstrecken wählen. Auf dem Höhenrücken zwischen Hornisgrinde und Feldberg finden sich weite Hochflächen und moderate Steigungen. Die Etappen können jeweils an Orten mit Gasthäusern und Herbergen begonnen und beendet werden. Von Stühlingen bis Wehr führt der Schluchtensteig auf 119 km in sechs Etappen. Der Steig ist mit dem Gütesiegel Qualitätsweg Wanderbares Deutschland ausgezeichnet. In den Schluchten sind Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich, der Weg hat dort viel wurzeligen, steilen, teils nassen Untergrund und könnte für ungeübte Wanderer herausfordernd sein.
Einige der vielen Kurorte im Schwarzwald, zum Beispiel Bad Wildbad oder Titisee-Neustadt, bieten kurze Rundwege mit Sitzgelegenheiten und geringen Höhenunterschieden. Sie sind sehr gut als Probestrecke geeignet, bevor eine lange Tour geplant wird.
Planung, Pausen und Ausrüstung
Für den Anfang haben sich fünf bis zehn Kilometer als Etappenlängen bewährt. Ein Blick ins Höhenprofil zeigt dann vorab, wie viel Steigung und Gefälle anliegt. Gerade beim Bergab geht viel Kraft in die Knie und Hüfte. Wanderstöcke helfen, einen Teil der Last in die Arme zu verlagern und geben Halt, wenn der Untergrund lockerer ist.
Kurze Pausen, etwa alle 45 bis 60 Minuten, halten die Belastung im Rahmen. Dabei müssen Schmerzen nicht erst unerträglich werden, bevor angehalten wird. Werden die Übernachtungen in den Unterkünften gebucht, vereinfacht sich die mehrtägige Tour: dann reicht ein kleiner Tagesrucksack mit Wasser, Proviant, Regenjacke und gewohnter Medikation.
Das Wetter kann im Schwarzwald in den Hochlagen schnell umschlagen. Mehrere dünne Schichten, möglichst wasserdichte Trekkingschuhe mit gutem Profil und ein Ersatzpaar Socken gehören zur Grundausstattung. Wer unter ärztlicher Aufsicht Cannabis anwendet, sollte vorher klären, wie die Therapie mit langen Wanderungen vereinbar ist. Schwindel oder Müdigkeit als mögliche Nebenwirkungen können auf den schmalen Wegen und im unwegsamen Gelände ein Risiko sein.