Blick über Hornberg
Blick über Hornberg

Die Schwarzwaldbahn: Mit dem Zug durch 39 Tunnel

Inhalt:

Steckbrief

Ort: Hornberg

Manche Ausflüge brauchen keine Wanderschuhe, keine Anfahrt zum Parkplatz und keine Suche nach dem richtigen Einstieg. Du setzt dich in einen Zug, suchst dir einen Fensterplatz – und der Schwarzwald zieht an dir vorbei, als hätte jemand ein Panoramakino für dich gebucht. Genau das ist die Schwarzwaldbahn.

Zwischen Hornberg, Triberg und St. Georgen windet sie sich auf einer der spektakulärsten Bergstrecken Europas den Berg hinauf. Tunnel folgt auf Tunnel, das Tal fällt plötzlich tief unter dir ab, und wenn du zum zweiten Mal dieselbe Kirche siehst – diesmal aber von oben – hast du verstanden, was die Ingenieure hier vor über 150 Jahren geleistet haben.

Dieser Guide zeigt dir, was die Strecke so besonders macht, auf welcher Seite du sitzen solltest, wo du unterwegs aussteigst und wie du aus einer Zugfahrt einen kompletten Urlaubstag machst.

Was die Schwarzwaldbahn so besonders macht

Die Schwarzwaldbahn verbindet Offenburg am Rand der Rheinebene mit Singen (Hohentwiel) am Fuß des Hegaus. Ihre Kennzahlen lesen sich wie ein Rekordbuch:

  • 149 Kilometer Streckenlänge
  • rund 650 Höhenmeter Unterschied zwischen den tiefsten und höchsten Punkten
  • 39 Tunnel entlang der Strecke
  • zwei Kehrschleifen – eine damals völlig neue Idee im Eisenbahnbau
  • Bauzeit 1863 bis 1873, durchgehend befahrbar seit dem 10. November 1873

Verantwortlich für diese Meisterleistung war der badische Ingenieur Robert Gerwig. Sein Leitsatz klang simpel und war doch revolutionär: wenige Brücken, viele Tunnel. Statt teure und wartungsanfällige Viadukte über jedes Seitental zu spannen, bohrte er sich in den Berg – und legte die Strecke so an, dass sie die Steigung durch Länge ausgleicht.

Mehr Hintergründe zur Baugeschichte findest du im ausführlichen Wikipedia-Artikel zur Schwarzwaldbahn.

Der Trick mit den Kehrschleifen: 11 Kilometer werden zu 26

Der eigentliche Clou liegt zwischen Hornberg und Sommerau. Hier muss die Bahn 448 Höhenmeter überwinden: von 384 Metern in Hornberg hinauf auf 832 Meter am Scheitelpunkt.

Luftlinie sind das gerade einmal elf Kilometer. Eine direkte Strecke hätte eine Steigung erfordert, die kein Zug ohne Zahnrad bewältigt. Gerwigs Lösung: Er zog die Strecke auf 26 Kilometer in die Länge, legte sie in weite Bögen an die Talflanken und führte sie in zwei großen Kehrschleifen durch den Berg zurück.

Das Ergebnis ist eine maximale Steigung von nur 20 Promille – sanft genug für normale Züge, ohne Zahnstange und ohne Schiebelok. Auf der Fahrt merkst du das an einem herrlich verwirrenden Effekt: Du siehst denselben Ort mehrfach, jedes Mal aus einer anderen Höhe und einem anderen Winkel.

Der längste Tunnel der Strecke ist der Sommerautunnel mit 1.697 Metern. Er hat eine geografische Besonderheit: Unter ihm verläuft die Wasserscheide zwischen Rhein und Donau. Auf der einen Seite fließt das Wasser Richtung Nordsee, auf der anderen Richtung Schwarzes Meer.

Das Reichenbach-Viadukt in Hornberg

Wenn Gerwig kaum Brücken baute – wo ist dann die eine große Brücke? In Hornberg. Kurz vor dem Bahnhof überquert die Bahn das Reichenbach-Viadukt, die einzige bedeutende Brücke auf dem gesamten Weg bis zum Bodensee.

  • 150 Meter lang
  • 24 Meter hoch
  • sieben Bögen
  • erbaut 1924/25 aus Beton und Granit als Ersatz für den Vorgängerbau

Vom Hornberger Schlossberg aus hast du einen richtig guten Blick auf das Bauwerk – und wenn gerade ein Zug darüberrollt, bekommst du das Postkartenmotiv gratis dazu.

Auf welcher Seite sitzen? Der wichtigste Tipp

Diese Frage entscheidet über die halbe Fahrt. Die klare Empfehlung:

  • Richtung Konstanz (bergauf, ab Offenburg): Setz dich in Fahrtrichtung rechts. Du blickst ins Gutachtal hinunter und siehst die Strecke, die du gerade gefahren bist, unter dir liegen.
  • Richtung Offenburg (bergab, ab Konstanz): Dann ist links die bessere Wahl.

Zweiter Tipp: Fahr nicht in der Hauptverkehrszeit. Am späten Vormittag und am frühen Nachmittag sind die Züge leerer, und du bekommst den Fensterplatz ohne Hektik. Und halte das Handy bereit – aber schau nicht die ganze Zeit durch den Bildschirm. Die schönsten Momente dauern nur wenige Sekunden, bis der nächste Tunnel kommt.

Die Strecke Abschnitt für Abschnitt

Offenburg – Gengenbach – Haslach – Hausach: Der gemütliche Auftakt durch das Kinzigtal. Fachwerkstädtchen, Streuobstwiesen, sanfte Hänge. Hier sammelst du Vorfreude.

Hausach – Gutach – Hornberg: Das Tal wird enger, die Hänge steiler. In Gutach liegt direkt an der Strecke das Freilichtmuseum Vogtsbauernhof – einer der schönsten Zwischenstopps überhaupt. Alles Wissenswerte dazu findest du in unserem Beitrag zum Freilichtmuseum Vogtsbauernhöfe.

Hornberg – Triberg: Jetzt beginnt der spektakuläre Teil. Tunnel reiht sich an Tunnel, die Aussicht wechselt im Sekundentakt zwischen Fels, Wald und Weitblick.

Triberg – St. Georgen: Die Kehrschleifen, der Sommerautunnel, der Scheitelpunkt. Oben angekommen öffnet sich die Landschaft zur Hochfläche der Baar.

St. Georgen – Villingen – Donaueschingen – Singen: Weite statt Enge. In Donaueschingen liegt die berühmte Donauquelle im Schlosspark, in Villingen eine der besterhaltenen Altstädte der Region.

Der Schwarzwaldbahn-Erlebnispfad: die Strecke zu Fuß

Du willst die Technik nicht nur aus dem Fenster sehen, sondern begreifen? Dann ist der Schwarzwaldbahn-Erlebnispfad genau dein Ding.

  • Länge: rund 12,5 Kilometer
  • Dauer: etwa 4 Stunden 15 Minuten
  • Schwierigkeit: leicht
  • Start und Ziel: Bahnhof Triberg, wo eine historische Dampflok ausgestellt ist
  • 16 Stationen mit Originalmaterial aus dem Bahnbau

Der Weg erklärt dir an Ort und Stelle, wie die Tunnel entstanden, wie Gerwig die Trasse absteckte und was es bedeutete, hier ohne Maschinen zu arbeiten. Unterwegs liegt ein Skywalk mit Blick auf die Strecke. Details und den Streckenplan findest du direkt bei der Stadt Triberg.

Hornberg: mehr als nur ein Bahnhof

Hornberg liegt dort, wo das Reichenbachtal in das Gutachtal mündet – auf Höhen zwischen 344 und 970 Metern, mit rund 4.300 Einwohnern im Ortenaukreis. Die Stadt ist der ideale Standort, wenn du die Schwarzwaldbahn zum Mittelpunkt deines Urlaubs machen willst.

Das solltest du dir ansehen:

  • Der historische Schlossberg. Die Burg der Herren von Hornberg entstand um 1100. Erhalten sind unter anderem der rund 20 Meter hohe Schlossturm und der massive Pulverturm, in dem heute eine Multimedia-Ausstellung untergebracht ist. Dazu kommen ein Rokokogarten, ein Abenteuerspielplatz und Aussichtspunkte über das Tal.
  • Die Freilichtbühne. Hier wird die Geschichte gespielt, die Hornberg weltberühmt gemacht hat: das „Hornberger Schießen“. Die Redewendung steht für viel Aufwand mit wenig Ergebnis. Historisch belegt ist die Herkunft nicht – gefeiert wird sie trotzdem, und das mit Begeisterung. Das aktuelle Programm steht auf der Seite der Freilichtbühne Hornberg.
  • Die evangelische Stadtkirche, zwischen 1600 und 1603 nach Plänen von Heinrich Schickhardt erbaut – ein frühes Beispiel protestantischen Kirchenbaus.
  • Der Hornberger-Schießen-Weg, ein Themenwanderweg rund um die Stadt.

Alle aktuellen Infos zu Öffnungszeiten und Veranstaltungen findest du bei der Stadt Hornberg.

Triberg: Wasserfälle, Uhren und der berühmteste Bahnhof der Strecke

Nur wenige Minuten weiter liegt Triberg – für viele der Höhepunkt der Fahrt. Die Triberger Wasserfälle stürzen in sieben Stufen rund 163 Meter in die Tiefe und gehören damit zu den höchsten Wasserfällen Deutschlands. Vom Bahnhof führt ein gut ausgebauter Weg direkt hin.

Dazu kommt die Uhrentradition: Kuckucksuhren, Werkstätten und Museen prägen den Ort bis heute. Wer sich für das Handwerk dahinter interessiert, findet in unserem Beitrag über Trenkle-Uhren aus dem Schwarzwald spannende Einblicke.

Wie du Triberg am besten mit weiteren Zielen kombinierst, liest du in unserem Guide zu Triberg und den Triberger Wasserfällen.

Tickets, KONUS und die beste Art zu fahren

Reguläre Tickets: Die Schwarzwaldbahn ist eine ganz normale Bahnstrecke. Du brauchst kein Spezialticket, kein Zeitfenster und keine Reservierung. Fahrpläne und Preise findest du bei der Deutschen Bahn.

Der große Spartipp – die KONUS-Gästekarte: Wenn du in einer teilnehmenden Unterkunft im Schwarzwald übernachtest, bekommst du die KONUS-Gästekarte in der Regel kostenlos dazu. Damit fährst du in rund 150 Schwarzwald-Gemeinden kostenlos mit Bus und Bahn – die Schwarzwaldbahn im Nahverkehr eingeschlossen. Das macht die Panoramafahrt praktisch zum Nulltarif. Frag bei der Buchung einfach nach, ob dein Gastgeber KONUS anbietet.

Für Gruppen und Familien lohnt sich der Blick auf Tagestickets für Baden-Württemberg. Praktische Hinweise zur Planung findest du in unserem Beitrag zu Gruppenreisen in den Schwarzwald.

Mit Kindern funktioniert die Fahrt erstaunlich gut: Tunnel, Brücken und der Blick nach unten sind für die meisten spannender als jede Bildschirmzeit. Weitere Ideen sammelt unser Artikel zu Familienausflügen im Schwarzwald.

Bevor du losfährst: Aktuelle Baustellen oder Streckensperrungen auf der Schwarzwaldbahn prüfst du am schnellsten direkt bei der Deutschen Bahn.

Die beste Jahreszeit für die Panoramafahrt

Frühling: Frisches Grün an den Hängen, klare Luft, gute Fernsicht. Die Wasserfälle führen viel Wasser.

Sommer: Lange Tage, viel Licht in den engen Tälern. An heißen Tagen ist der Zug angenehm – und die Wasserfälle in Triberg sorgen für Abkühlung.

Herbst: Für viele die schönste Zeit. Die Buchenhänge leuchten gelb und rot, morgens liegt Nebel in den Tälern, und wenn der Zug aus einem Tunnel in die Sonne fährt, bekommst du Bilder, die kein Sommertag liefert.

Winter: Schnee auf den Hochflächen um St. Georgen, kahle Bäume geben den Blick auf die Trasse frei. Du siehst die Streckenführung im Winter oft deutlicher als im dichten Sommerlaub. Falls das Wetter ganz und gar nicht mitspielt, helfen unsere Ideen für den Schwarzwald bei schlechtem Wetter weiter.

So machst du einen ganzen Tag daraus

Ein bewährter Ablauf für einen entspannten Bahntag:

  1. Vormittags: Start in Offenburg oder Hausach, gemütliche Fahrt durch das Kinzigtal.
  2. Zwischenstopp Gutach: Freilichtmuseum Vogtsbauernhof, rund zwei bis drei Stunden.
  3. Weiter nach Hornberg: Aufstieg zum Schlossberg, Blick auf das Reichenbach-Viadukt, Mittagspause.
  4. Nachmittags nach Triberg: Wasserfälle und ein Stück Schwarzwaldbahn-Erlebnispfad.
  5. Rückfahrt oder weiter Richtung St. Georgen, um die Kehrschleifen und den Sommerautunnel mitzunehmen.

Wer lieber ohne festen Plan unterwegs ist: Die Züge fahren regelmäßig, und du kannst jederzeit spontan aussteigen. Genau das macht die Strecke so entspannt.

Fotografieren an der Strecke: die besten Stellen

Die Schwarzwaldbahn ist ein Klassiker unter Eisenbahnfotografen. Wenn du selbst gute Bilder mitbringen willst:

  • Hornberger Schlossberg: Der Blick auf das Reichenbach-Viadukt mit dem Ort darunter.
  • Aussichtspunkte am Erlebnispfad bei Triberg: Mehrere Stellen geben die Trasse mit Tunnelportalen frei.
  • Die Hänge oberhalb von Niederwasser: Hier siehst du, wie sich die Strecke in Schleifen durch die Landschaft zieht.

Zwei Bitten, die bei Fotografen selbstverständlich sein sollten: Bleib immer außerhalb des Gleisbereichs und respektiere Privatgrundstücke. Die besten Perspektiven liegen ohnehin auf öffentlichen Wegen.

Urlaub in Hornberg

Wer die Schwarzwaldbahn wirklich auskosten will, bleibt am besten gleich ein paar Tage. Hornberg ist dafür der perfekte Ausgangspunkt: mitten im Gutachtal, direkt an der Strecke, mit Triberg, Gutach, Schramberg und dem Kinzigtal in kürzester Entfernung. Vom Bahnhof aus bist du in wenigen Minuten in den Wanderwegen – und abends erlebst du ein Schwarzwaldstädtchen, das nach Feierabend wieder ganz sich selbst gehört.

Vom gemütlichen Gasthof bis zur Ferienwohnung mit Talblick findest du hier eine bodenständige, familiengeführte Gastgeberschaft. Und mit der Gästekarte im Gepäck wird jede Zugfahrt zum Inklusivprogramm.

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Häufige Fragen zur Schwarzwaldbahn (FAQ)

Wie lang ist die Schwarzwaldbahn?

Die Strecke zwischen Offenburg und Singen (Hohentwiel) ist rund 149 Kilometer lang und überwindet etwa 650 Höhenmeter.

Wie viele Tunnel hat die Schwarzwaldbahn?

Auf der Gesamtstrecke liegen 39 Tunnel. Der weitaus größte Teil davon befindet sich im Bergabschnitt zwischen Hausach und St. Georgen. Der längste ist der Sommerautunnel mit 1.697 Metern.

Wer hat die Schwarzwaldbahn gebaut?

Geplant wurde sie vom badischen Ingenieur Robert Gerwig. Gebaut wurde zwischen 1863 und 1873; seit dem 10. November 1873 ist die gesamte Strecke durchgehend befahrbar.

Was sind die Kehrschleifen der Schwarzwaldbahn?

Zwischen Hornberg und Sommerau führt die Strecke in zwei großen Schleifen durch den Berg, um Höhe zu gewinnen. Dadurch werden aus elf Kilometern Luftlinie rund 26 Kilometer Strecke – bei einer Steigung von maximal 20 Promille.

Bild mit freundlicher Genehmigung von Bildquelle: stock.adobe.com tkphotography

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