Der Tag war lang. Du bist über den Schluchtensteig gelaufen, hast dir in Todtmoos ein Stück Kuchen gegönnt und sitzt jetzt mit müden Beinen in der Ferienwohnung. Draußen wird es über den Tannen langsam dunkel, drinnen läuft der Kachelofen warm. Du greifst zum Tablet, öffnest die Mediathek und willst die Tagesschau nachholen. Auf dem Bildschirm erscheint ein Hinweis, dass die Sendung aus rechtlichen Gründen nicht verfügbar ist.
Das WLAN ist in Ordnung, das Gerät auch. Du bist im Dreiländereck gelandet, und dort gelten für dein Fernsehprogramm andere Regeln als im Rest der Republik.
Die unsichtbare Grenze mitten im Netz
Jedes Gerät im Internet trägt eine IP-Adresse, und die verrät, aus welchem Land du gerade unterwegs bist. Sender und Streamingdienste lesen diese Adresse bei jedem Abruf aus. Kommt sie aus Deutschland, startet das Video. Kommt sie aus Basel oder Colmar, greift die Ländersperre, im Fachjargon Geoblocking genannt.
Dahinter steckt das Lizenzrecht. Ein Sender kauft die Rechte an einem Film, einer Serie oder einem Fußballspiel für ein bestimmtes Gebiet, meistens für Deutschland. Zeigt er den Inhalt darüber hinaus, bricht er den Vertrag. Beim Tatort kannst du das schön beobachten. Die deutschen Folgen bleiben für Zuschauer im Ausland meist abrufbar, die Krimis aus Österreich und der Schweiz verschwinden hinter der Sperre.
Am strengsten ziehen die privaten Sender die Linie, weil ihre Rechtepakete enger geschnürt sind. Wie du dort trotzdem weiterkommst, wurde Schritt für Schritt von den Experten von Cybernews zusammengetragen, damit du RTL im Ausland empfangen kannst.
Warum es ausgerechnet hier passiert
An der Ostsee bekommst du von alldem nichts mit. Im südlichen Schwarzwald reicht dagegen manchmal ein Spaziergang, damit dein Handy technisch ins Ausland rutscht.
Der offensichtliche Weg führt über das WLAN. Du trinkst einen Kaffee am Basler Rheinufer, hängst am Netz des Cafés und surfst damit über eine Schweizer Leitung. Der zweite Weg überrascht die meisten Gäste. Mobilfunkmasten halten sich nicht an Staatsgrenzen, und die Sender jenseits der Grenze strahlen im Rheintal oft kräftiger als die deutschen. Dein Handy sucht sich das stärkste Signal und bucht sich ins Schweizer oder französische Netz ein, während du noch auf deutschem Boden stehst. Die Schweizer Zeitung Blick hat dazu über 3.800 Leser befragt, 74 Prozent kannten den ungewollten Netzwechsel im Grenzgebiet aus eigener Erfahrung.
Kurz darauf kommt die Begrüßungs-SMS. Neben möglichen Roamingkosten heißt das vor allem, dass deine Daten über das Nachbarland laufen. Für die Mediathek bist du in diesem Moment im Ausland.
Basel und Colmar sind zwei sehr verschiedene Grenzen
Ein Ausflug ins Elsass und ein Bummel durch Basel fühlen sich für dich gleich an. Für dein Streamingabo liegen zwischen beiden Welten.
Frankreich gehört zur EU, und seit April 2018 gilt dort die Portabilitätsverordnung. Sie verpflichtet Anbieter, zahlende Kunden auch bei einem vorübergehenden Aufenthalt in einem anderen EU-Land zu bedienen. Ein Tag in Colmar oder eine Woche im elsässischen Ferienhaus fallen darunter, wobei die Anbieter üblicherweise eine Grenze von rund 30 Tagen ansetzen. Die Verordnung hat allerdings Lücken. Sie gilt ausschließlich für bezahlte Angebote, kostenlose bleiben außen vor, und einzelne Inhalte sind oft ausgenommen. Livestreams der Sender und Sportübertragungen gehören regelmäßig dazu.
Die Schweiz gehört weder zur EU noch zum EWR. Damit greift die Portabilität in Basel nicht, und dein deutsches Abo verliert jenseits der Grenze seine Grundlage, obwohl du es pünktlich bezahlst. Dasselbe gilt beim Handy, denn auch die EU-Regel gegen Roaminggebühren endet am Rhein. Stell die Netzwahl im Telefon deshalb von automatisch auf manuell, sobald du im Grenzgebiet unterwegs bist. Das erspart dir überraschende Rechnungen und sorgt nebenbei dafür, dass Streams nicht ohne erkennbaren Grund aussteigen.
Der Rundfunkbeitrag hilft dir hier nicht weiter
Viele Urlauber halten die Sperre für einen Fehler, schließlich zahlen sie jeden Monat ihren Rundfunkbeitrag. Juristisch bringt dich das leider nicht weiter. Der Beitrag finanziert den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als Ganzes, er gilt aber nicht als Bezahlung für den Zugriff auf die Mediathek. Die zählt als kostenloses Zusatzangebot und fällt damit aus der Portabilitätspflicht heraus. Einen Anspruch darauf, ARD oder ZDF im Ausland zu sehen, hast du nicht.
Die Sender könnten freiwillig mitziehen, müssten dann jedoch bei jedem Nutzer den Wohnsitz technisch prüfen. Diesen Aufwand scheuen sie bisher.
So bist du vorbereitet, bevor du losfährst
Die einfachste Lösung kostet dich zehn Minuten am Abend vor der Abfahrt. Lade dir zuhause im eigenen WLAN herunter, was du unterwegs sehen willst. Fast alle Mediatheken und Abodienste bieten diese Funktion an, die Dateien bleiben je nach Anbieter rund 30 Tage abrufbar und funktionieren auch dann, wenn die Onlineprüfung scheitern würde. Für ein Wochenende in Basel reicht das vollkommen.
Drei Dinge lohnen sich zusätzlich, wenn du grenznah wohnst:
- Netzwahl umstellen: Im Handy die automatische Netzsuche abschalten und das deutsche Netz von Hand festlegen.
- Anschluss prüfen: Beim Buchen ruhig nachfragen, welcher Anbieter das Internet der Unterkunft stellt. Manche Ferienwohnungen direkt an der Grenze hängen an ausländischen Leitungen.
- VPN einrichten: Ein solcher Dienst leitet deine Verbindung über einen deutschen Server und zeigt dem Anbieter dadurch eine deutsche IP-Adresse. VPN zu nutzen ist in Deutschland erlaubt. Wer damit eine Ländersperre umgeht, verstößt allerdings meist gegen die Nutzungsbedingungen des Anbieters, was eine Frage des Vertragsrechts bleibt.
Die Schüssel auf dem Dach kennt keine Grenzen
Wenn auf deinem Ferienhaus eine Satellitenschüssel sitzt, kannst du alles Bisherige vergessen. Der Satellit fragt nicht nach deinem Standort. ARD und ZDF senden über Astra unverschlüsselt in HD und lassen sich in weiten Teilen Mitteleuropas empfangen, im Schwarzwald genauso wie im Elsass.
Ein Detail solltest du kennen. Am 7. Januar 2025 haben die ARD-Sender ihre alten SD-Signale abgeschaltet, das ZDF folgte im November desselben Jahres. Ein betagter Receiver zeigt deshalb möglicherweise nur noch schwarz, ein HD-fähiges Gerät ist inzwischen Pflicht. Bei den großen Privatsendern liegt der Fall anders, denn deren HD-Programme laufen verschlüsselt über die Plattform HD+, und die passenden Karten sind auf Deutschland zugeschnitten. Antennenfernsehen über DVB-T2 wiederum reicht nur wenige Kilometer über die Grenze und bricht in den engen Tälern ohnehin schnell weg.
Am Ende ist es wie mit dem Wetter im Schwarzwald. Wer weiß, was ihn erwartet, packt vorher das Richtige ein. Ein paar Downloads am Vorabend, ein kurzer Blick in die Handyeinstellungen, und der Abend nach der Wanderung gehört wieder dir.