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Vom Aussterben bedroht: Auerhühner im Schwarzwald

Das Auerhuhn ist vom Aussterben bedroht
Das Auerhuhn ist vom Aussterben bedroht

Leider leben nur noch wenige der imposanten Vögel im Naturraum Schwarzwald

Als lediglich „heimliche“ und inoffizielle Wappentiere genießen die aktuell nur noch ca. 200 Auerhähne und Auerhühner im Schwarzwald zwar nicht ganz den Bekanntheitsgrad wie der Berliner Bär, Münchner Löwe oder das Niedersächsische Pferd. Stilisiert abgebildet sind die in der Natur charakteristisch dunkelbraun bis grau gefärbten sowie metallisch grün glänzenden Tiere auf den Wappen des Nordschwarzwälder Landkreises Freudenstadt, der Gemeinde Seefeld und der Gemeinde Simmersfeld im Landkreis Calw. Nichtsdestotrotz sind die als sehr scheu geltenden, nur in unberührten Bergwaldregionen lebenden sowie stark vom Aussterben bedrohten größten Hühnervögel Europas schon lange ein Teil des klassischen Schwarzwald-Mythos einer weitgehend idyllischen und intakten Natur.

Noch bleiben genug Raum und Zeit, um Auerhühner im Schwarzwald zu schützen

Abweichend von dieser wohlwollenden, wenn auch nicht den Tatsachen entsprechenden Verklärung wird der trotz teils intensiver Schutzbemühungen zurückgehende Bestand seit Jahren insbesondere vom wichtigsten Wirtschaftszweig der Region, dem Tourismus, nach wie vor grundlegend gefährdet. Engagierte Naturschützer wie etwa diejenigen der 2008 vom Bundesland Baden-Württemberg gegründeten Organisation „Aktionsplan Auerhuhn“ verweisen deshalb darauf, dass die für den Erhalt der Art notwendigen alten Waldflächen mit ausreichend Totholz als Lebensräume vor tourismusbedingten Beeinträchtigungen und Störungen unbedingt geschützt werden müssen. So ist eine auch ganzjährig umfangreiche touristische Nutzung des Schwarzwalds zum Beispiel durch Gleitschirmflieger, Skiläufer und Wanderer grundsätzlich möglich. Die für Auerhühner jedoch zwingend erforderlichen Ruhebereiche dürfen durch regionale Neuausweisungen und Neuerschließungen sowie saisonale Großveranstaltungen nicht weiter beeinträchtigt werden.

Wenn schon die Kälte den Tieren zusetzt, sollten nicht auch noch Menschen stören

Besonders angreifbar und empfindlich ist der Auerhahn den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge im Winter, wenn das Nahrungsangebot knapp ist und die Tiere sich zumeist in abgelegenen und schwer zugänglichen Verstecken aufhalten, um möglichst viel Energie zu sparen. Forscher plädieren darum eindringlich dafür, die bislang bestehenden Wintersportgebiete im Schwarzwald nicht räumlich zu erweitern und parallel hierzu anhand von entsprechend gestalteten Aufklärungs- und Bildungskampagnen für Bewusstsein und Verständnis unter Skisportlern zu sorgen. Sicherlich empfinden viele Aktivurlauber speziell wenig genutzte und landschaftlich reizvolle Skistrecken als besonders verlockend, häufig führen aber gerade diese durch die den Auerhühnern wenig verbleibenden Habitate in der kalten Jahreszeit.

Heidelbeeren sind schmackhaft, aber für Auerhühner weitaus wichtiger als für uns

Angemessene Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme gegenüber den biologischen sowie natürlichen Ansprüchen und Bedürfnissen der gefährdeten Auerhühner im Schwarzwald sollten aber natürlich auch während der restlichen Jahreszeiten für Gäste und Besucher der Gegend selbstverständlich sein. Eine entscheidende Rolle spielen hierbei die ebenfalls in ihrem Bestand vielerorts stark durch menschliche Nutzung beeinträchtigten und somit gefährdeten Hochmoor- und Heideflächen im Schwarzwald, deren Heidelbeerfelder für die Vögel im Frühling und Sommer eine der wichtigsten Nahrungsquellen überhaupt sind. Auerhühner und Auerhühner fressen sowohl Blätter und Knospen als auch Früchte der an Vitamin C sowie Phosphor und Kalium reichen Pflanze, die auch einigen seltenen Motten- und Schmetterlingsarten sowie Füchsen das Überleben sichert.

Bei der Balz und Paarung benötigen Auerhühner und Auerhähne viel Platz und Ruhe

Solche inzwischen im Schwarzwald eher selten gewordenen Freiflächen sind auch für die Balzzeit der Auerhühner zwischen März und Anfang Juni von besonderer Bedeutung. Da die Hähne nach ihrem typisch anfänglichen Balztanz sowie Gesang auf aussichtsreichen und strategisch günstig gelegenen Bäumen das Werben um das bzw. die Weibchen immer auf einer Bestandslücke auf dem Boden fortsetzen und die Hühner dabei ausgesprochen störungsanfällig sind, können etwa Wanderer und Mountainbiker diesem fragilen Ritual schnell ein Ende setzen. Auch aus Gründen der körperlichen Unversehrtheit empfiehlt sich ein ausreichend großer Abstand zu den balzenden Tieren. Der auf das Hundertfache der normalen Werte steigende Testosteronspiegel der Hähne kann diese äußerst aggressiv machen und sogar Menschen angreifen lassen, was allerdings nur sehr selten vorkommt.

Im Nationalpark Schwarzwald finden Auerhühner heute wieder neue Lebensräume

Glücklicherweise sind im Rahmen des weiter oben erwähnten „Aktionsplans Auerhuhn“ in den letzten Jahren aber auch mehrere erfolgreiche Maßnahmen zur Verbesserung und zum Schutz des Lebensraums des Auerwilds im Schwarzwald umgesetzt worden. Lobend hervorzuheben sind etwa die ambitionierten Anstrengungen in Form von Erweiterungen von Freiflächen und Förderung von Kiefernwäldern in den höheren Lagen des Landkreises Rastatt. Rund um Kaltenbronn (Gernsbach-Reichental), Forbach (Baden) und Loffenau sowie Bermersbach, Bühlertal, Bühl, Ottersweier und im Weisenbacher Forst wurden über 500 Hektar Fläche für Auerhühner artgerecht gestaltet. Gleiches gilt für die Umgebung des gut 1.038 Meter hohen Berges Hochkopf im Landschaftsschutzgebiet Bühlertal unweit der Schwarzwaldhochstraße. In dessen unmittelbarer Nähe befinden sich auch die beliebten Skigebiete am Hundseck und Unterstmatt.

Moderne Wintersportler bringen Fauna und Flora gebührenden Respekt entgegen

Detaillierte Informationen und viel Wissenswertes über Auerwild sowie weitere Tier- und Pflanzenarten des Schwarzwalds erfahren interessierte Besucher im Naturschutzzentrum Ruhestein bei Seebach und Baiersbronn. Im benachbarten und gleichnamigen Skigebiet gibt es derzeit zwei Lifte und ein Kilometer Piste. Ebenfalls im Nordschwarzwald und in der Nähe der genannten Schutzgebiete gelegen sind u. a. die Skigebiete:



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